Teststrecken der Magnetschwebebahn: Von Deutschland bis China
Die Entwicklung der Magnetschwebebahn wäre ohne spezielle Teststrecken nicht denkbar. Sie spielen eine zentrale Rolle bei der technischen Weiterentwicklung und Praxiserprobung innovativer Transportsysteme wie dem Transrapid oder dem heutigen TSB von Max Bögl.

Die emsländische Teststrecke
Eine der bekanntesten und größten Anlagen war die Transrapid-Teststrecke im Emsland (TVE) (Niedersachsen), die von 1980 bis 1987 erbaut wurde. Auf dem 31,5 Kilometer langen Rundkurs erreichte der Transrapid Geschwindigkeiten von bis zu 450 km/h. Dort wurden zahlreiche Tests zu Fahrverhalten, Antrieb, Kurvenverhalten und Bremssystemen durchgeführt, zum Teil auch mit Fahrgästen. Zwischen 1984 und 2011 wurden hier verschiedene Transrapid-Modelle vom TR06 bis zum TR09 erprobt.
Schließung der Anlage
Die Strecke war ein Meilenstein der Magnetschwebetechnologie, geriet jedoch durch einen tragischen Unfall im Jahr 2006 mit 23 Todesopfern in den Fokus der Öffentlichkeit. In der Folge wurde die Betriebserlaubnis zunächst aufgehoben. Bis 2011 fanden noch Testfahrten statt, danach wurde die Strecke größtenteils stillgelegt.

Hamburg & Kassel
Bereits 1979 entstand eine erste kurze Teststrecke in Hamburg, für die Internationale Verkehrsausstellung. Sie war nur 900 Meter lang und wurde nach wenigen Monaten wieder abgebaut. Teile davon wurden später nach Kassel gebracht, wo von 1980 bis 1983 weitere Tests stattfanden, bis das Emsland bereit war. Diese Übergangsstrecken legten den Grundstein für spätere Entwicklungen.

Shanghai – Vom Testfeld zum Betrieb
Seit 2004 ist in Shanghai die erste und bislang einzige kommerziell betriebene Transrapid-Strecke in Betrieb. Auf rund 30 Kilometern verbindet sie den Flughafen Pudong mit dem Stadtteil Longyang Road, bei Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 431 km/h. Diese Strecke zeigt, dass die Technologie grundsätzlich marktreif ist – nur nicht in Deutschland.

Weitere Projekte ohne Umsetzung
Weltweit gab es weitere Pläne, die nie realisiert wurden. In München war eine Verbindung zwischen dem Hauptbahnhof und dem Flughafen vorgesehen, das Projekt scheiterte allerdings an den Kosten. Auch eine kurze Teststrecke in Arizona (USA) wurde gebaut, blieb aber auf Demozwecke beschränkt. Parallel testet Japan sein eigenes SC-Maglev-System, das mit supraleitenden Magneten arbeitet, eine unabhängige, aber technisch verwandte Entwicklung.

Zukunft der Strecke Emsland
Nach der offiziellen Stilllegung der Strecke (TVE) im Jahr 2011 blieb die 31,8 Kilometer lange Strecke erhalten und zieht weiterhin Technikinteressierte und Touristen an. Teile der Anlage werden heute von einer Tochtergesellschaft der IABG genutzt, etwa zur Forschung an Elektromobilität – unter anderem für das induktive Laden von Fahrzeugen.
Der ursprünglich für 2012 geplante Rückbau der Strecke wurde mehrfach verschoben. Grund dafür sind offene Fragen rund um die massive Infrastruktur, wie z. B. der Umgang mit den tief im Boden verankerten Fundamentelementen.
Pläne für die Nutzung der Anlage:

Hyperloop-Teststrecke:
Die TVE könnte zu einem Testzentrum für diese zukunftsweisende Transporttechnologie umgebaut werden.
Chinesisches Interesse:
Ein chinesischer Bahnkonzern hat signalisiert, die TVE für die Weiterentwicklung der Magnetschwebetechnologie nutzen zu wollen, vor allem, da es in China keine vergleichbare Teststrecke gibt. Der bürokratische Aufwand für Genehmigungen machte eine Übernahme unwahrscheinlich.
